Thailand Ein Reise-Journal von Lucia Hodinka

Posted by: on Apr 15, 2015 | No Comments

The beach

“Over there, Koh Phi Phi Le!“ sagt der thailändische Kellner in dem geblümten Hawaii-Shirt.

“Koh Phi Phi Le the beach. Film. The beach!” versucht er es ein bisschen aufgeregter.

Obwohl wir das natürlich wissen, rufen wir ganz erstaunt „Oh really?“

„Yes.“

Thailand Reise-Journal CoverSein Lächeln wird stolz. Er erinnert sich an den Film. Und daran, dass er alles miterlebt hat. Die Dreharbeiten.

„Big ships. Here. Everywhere big ships. Leonardo DiCaprio here. Big ships. And close. Nobody, only big ships.”

“Toll“ bestätigen wir ihm und fragen, ob er denn Leonardo auch gesehen hat.

“No! I not see. Hihihihi.”

Seine Zähne sind nun in vollem Umfang zu sehen und ich weiß einmal mehr, warum ich damals eine Zahnspange bekam. Oder zumindest weiß ich, wie es aussehen kann, wenn man keine trägt.

Er nickt mit dem Kopf. Wir schauen rüber auf Phi Phi Le. Da prangt eine grün bewachsene Felsenformation aus dem Meer. Eine unverwechselbare Inselskyline. Besonders, wenn man The beach gesehen hat, freut einen dieser Wiedererkennungseffekt um so mehr.

„But!“ erhebt der Thailänder seinen Zeigefinger und wirkt dabei wie ein kleines Kind, das den Eltern die Posen nachmacht „Waterfall not there! Waterfall not Phi Phi Le!”

Der Engländer guckt entsetzt.

„The waterfall is not on Fi Fi?“ so spricht er den Namen der Insel aus.

Genauso großzügig wie der Engländer dem Thai seine Sprachfehler verzeiht, übergeht auch der Thai diese Aussprache.

“No. Waterfall not there. Waterfall Krabi somewhere. Not on Phi Phi Le.”

„That’s interesting“ gibt der Engländer zurück. Und denkt scheinbar darüber nach, dass Filme doch in den seltensten Fällen kritisch betrachtet werden. Dass die lügen weiß aber mittlerweile jeder, so dass er keinen großen Gewinn aus der Sache ziehen kann.

Krabi?“ fragt er dennoch nach.

“Yes, yes. No waterfall Phi Phi Le. And -“ er guckt verschmitzt. Als wisse er nicht so recht, ob er das nun verraten soll, oder nicht. Will aber doch mit seinem Wissensvorsprung vor seinem wissbegierigen Publikum aufwarten.

Er guckt noch mal rüber zur Insel, guckt uns noch einmal an. Wir schauen ihn erwartend an. Hier sind Informationen zu bekommen, die im Reiseführer eventuell nicht erhältlich sind. Hier sind wir richtig. Er wird uns alles sagen. Uns füttern mit Informationen, die wir unseren Freunden weiter erzählen werden, oder an Stefan Loose schicken, um einen Reiseführer unserer Wahl zu bekommen, wenn wir hilfreiche Informationen weitergeben.

Thailand Reise-Journal Cover„And Marihuana“ er macht eine Kunstpause.

Sie funktioniert. Der Engländer wird ganz angespannt. Ja, hier gibt es eventuell Informationen, die er bisher weder in seinem Lonely Planet, noch in seinem Rough Guide fand.

“Marihuana not on Phi Phi Le. Waterfall not Phi Phi Le, Marihuana not Phi Phi Le.”

“And where is it?“ hält der Engländer es nicht aus.

Der Thai guckt sinnierend rüber, dann den Engländer an.

„Not Phi Phi Le.”

Will er nicht verstehen ? Der Engländer wird freundlich ungeduldig.

„Waterfall Krabi“ fällt er plötzlich in das schlechte Englisch des Thai-Kellners. „Marihuana where?“

Er macht sogar den Akzent nach. Doch der Thai lässt sich nicht beirren. Er guckt, als hätte er nicht verstanden.

„Marihuana where?“ der Engländer wird jetzt fordernd auch noch unfreundlich und laut.

„Not know!“ lacht der Kellner und geht weg.

 

Hier das ganze Buch kaufen.