Es ist das Jahr 2015. Aber versuch mal in Deutschland über Menstruation zu sprechen, das ist sehr schwer – Lucia Hodinka zu Besuch bei Osia

Posted by: on Aug 20, 2015 | No Comments

“Rechnungen kommen regelmäßig, Jobs nicht!” erklärt mir Osia, warum sie immer wieder PR-Jobs macht, obwohl sie eigentlich Journalistin ist. Jetzt grad macht sie PR bei Clue, einer Zyklus-App (die ich übrigens auch seit einer Weile geladen hab und die ich sehr gern empfehle, denn sie geht sehr weit hinaus über ein reines Festhalten, wann man seine Tage hatte und sie kostet tatsächlich auch nichts).
“Eigentlich bin ich gut in PR” sagt Osia “aber ruf mal irgendwo an und versuch, über Menstruation zu reden. Das geht in Deutschland nur sehr schwer. Besonders, wenn du einen Mann am andere Ende der Leitung hast.”

“Wie ist das denn in Griechenland?” frage ich sie. “Gehen die Menschen mit dem Thema da offener um?” “Die haben grad ganz andere Probleme als Menstruieren” lacht Osia, weiß aber natürlich, dass das nicht stimmt, denn menstruiert wird immer, egal wie die wirtschaftliche Lage ist. “Ich war ja ewig nicht da” sagt sie dann. “Kann ich dir nicht wirklich sagen.”

Homestory, Osia, Berlin, GriechenlandWir trinken in ihrer Friedrichshainer WG-Küche Rhabarber-Schorle und sie erzählt mir, dass ihre griechischen Arbeiter-Eltern in Wuppertal nicht so richtig darauf klar kamen, dass sie ihre paar Sachen gepackt und ohne Plan nach Berlin gegangen ist. Und dass sie hier frei arbeitet und sich nicht um eine gute Altersvorsorge kümmert, kommt auch nicht gut an. Aber sie hat es mal versucht, diesen Weg ins “ordentliche” Leben, als sie nach dem Abi zum Jura-Studieren nach Heidelberg gegangen ist.  Aber das war dann eher ein sozio-kultureller Schock. “Ich hab vorher noch nie so Leute, wie die Studenten da gesehen, und die noch nie so jemanden wie mich! Und dann bin ich weg, hab in Maastricht studiert und in Köln gewohnt und gejobbt.”

Unter anderem im cafecafe auf der Aachener, stellt sich heraus. Und dann kommt ein “Die Welt ist klein”-Dialog. Ich rufe mit großen Augen: “Im cafecafe? Da war ich früher total viel!” Und sie ruft mit großen Augen: “Dann hab ich dir vielleicht einen Bagel serviert.” Und ich sage: “Vielleicht! Das ist ja verrückt!” Und sie sagt: “Die Welt ist echt so klein.”

Dann gehen wir in ihr Zimmer. “Da ist aber echt nicht viel drin.” Das sagt sie jetzt zum dritten Mal. Und es stimmt, es ist nicht viel drin.  Aber das gefällt mir ja, denn ich glaube fest an den Spruch “The more you know, the less you need.”

Hier meinen Besuch bei Osia hören:

Oder auf Funkhaus Europa.